Wie Religionsunterricht während Corona gegen harte Fächer besteht

In der Schule dominieren wegen Corona die harten Fächer – Deutsch, Mathe oder Englisch. Religion fällt eher aus. Das Pädagogisch-Theologische Institut hat dafür Verständnis. Denn insgeheim findet Religion doch statt: In Form von Lehrerkompetenz.
(epd)
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Klassenzimmer Religionsunterricht Corona
© Taken/Pixabay

Religion hat Christina Domokos schon lange nicht mehr unterrichtet. Sie arbeitet als Lehrerin an einer Beruflichen Schule in Hamburg – und muss sich in der Corona-Pandemie auf ihr zweites Fach "Entwicklung und Bildung" konzentrieren. Die eigentlich vorgesehenen Religionsseminare hat die Schulleitung gestrichen. Nur einmal hat Domokos doch Religion gegeben: Als sie mit ihren Schüler darüber sprach, wie sie die vergangenen zwei Monate erlebt hatten. Mit diesem Thema folgte sie einer Empfehlung, die das Pädagogisch-Theologische Institut der Nordkirche (PTI) den Lehrern gegeben hat.

Für PTI-Chef Hans-Ulrich Keßler ist die Reduzierung der Fächer in der Corona-Krise nachvollziehbar – per Telefon oder Computer geht eben nicht alles. Doch die Annahme, dass das Schmalspur-Angebot vor allem zu Lasten des Faches Religion gehe, halte er für eine Fehlinterpretation, sagte er der "Evangelischen Zeitung" in Hamburg. Denn gerade in Ausnahmesituationen würden Religionslehrer in vielfacher Hinsicht vermittelnde Funktionen ausüben – für Schüler, Lehrer und Eltern.

Wichtig sei zum Beispiel gewesen, dass die Schüler ihre Abschlüsse hätten machen können – ein vollwertiges Abitur oder Mittlere Reife. "Ein Corona-Abitur, wie es in der Diskussion war, hätte ihnen ein Leben lang nachgehangen", sagt Keßler. Er hat keine verlässlichen Angaben darüber, ob es in den vergangenen Wochen überhaupt "echten Religionsunterricht" gab. Über seine diversen Kontakte hat er aber gehört, dass das Fach nur an wenigen Schulen unterrichtet wurde. Oft seien Lehramtsstudenten eingesprungen, die auf Drängen ihrer Unis Praktikumsplätze an Schulen bekommen haben.

Auch nach dem Neustart des Präsenzunterrichts werde es Religionsunterricht von ausgebildeten Lehrern wohl eher selten geben, vermutet Keßler. Das habe seinen Grund ganz einfach darin, dass die Klassen nur noch etwa halb so groß sind wie vorher und darum doppelt so viele Lehrer-Arbeitsstunden gebraucht werden. Das gehe oft nur auf Kosten der Religionsstunden.

Inmitten dieser vermeintlichen Verlustrechnung sieht Keßler die Religionslehrkräfte aber dennoch in einer wichtigen Rolle, die so kaum andere Fachlehrer ausüben könnten. In der Corona-Pause hätten die Schüler zum Beispiel zu Hause sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Einige seien als Familie zusammengewachsen, andere hätten Katastrophales erlebt – bis hin zur Gewalt. In solchen Fällen hätten Religionslehrer vielfach geholfen.

Keßler ist überzeugt, dass Religionslehrkräfte "gerade dank ihrer besonderen Kompetenzen" nun auch die bislang vereinzelten Schüler wieder zusammenführen können. "Sie stehen als Personen für den Inhalt des Fachs." Wenn sich die Schulleitungen allerdings auch nach den Sommerferien weiterhin auf die Kernfächer konzentrieren sollten, möchte Keßler eine breite öffentliche Diskussion anregen. "Dann muss es um die Frage gehen, was der Bildungsauftrag der Schulen ist", sagt er. Die Debatte sollte dann aber über alle "kleineren Fächer" geführt werden – um Religion genauso wie um Philosophie, Musik oder Kunst.

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