Katholisch, lutherisch, Leipzsch

Der Katholikentag wird Zehntausende nach Leipzig ziehen. Auch viele Protestanten. Sie feiern den gemeinsamen Glauben – was trennt, schmerzt da besonders.
Andreas Roth
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© Jan Adler

Der Leipziger Katholikentag wird ein Fest der großen Zahlen. Zehntausende Besucher werden erwartet bei über 1000 Veranstaltungen. Vor allem: Das katholische Laientreffen feiert seinen 100. Geburtstag. Zugleich aber ist dieser Katholikentag einer der kleinen Zahlen. Denn er hat sich mit Leipzig eine Stadt ausgesucht, in der nur vier Prozent der Einwohner zur katholischen Kirche gehören. Und elf Prozent zur Evangelischen.

Nicht nur an der Kirchenbasis in Leipzig gibt es die Hoffnung, dass bei diesem Katholikentag die Ökumene besonders groß geschrieben wird. »Die ostdeutschen Verhältnisse als Minderheit bedingen geradezu, gemeinsam nach außen zu wirken«, sagt Landesbischof Carsten Rentzing. »Großereignisse wie der Katholikentag können das innere Verständnis füreinander fördern: Ganz gleich ob katholisch oder lutherisch – wir vertreten nach außen die gleiche Grundbotschaft. Das könnten wir manchmal noch etwas deutlicher tun.«

Viele evangelische Christen gestalten den Leipziger Katholikentag mit. Sie geben Gästen Quartier, öffnen ihre Gotteshäuser, sitzen auf Podien. Und als Musiker sind sie in der Bach-Stadt ohnehin unverzichtbar. So wie Tobias Petzoldt, der von den katholischen Laien eingeladen wurde, das 300 Veranstaltungen dicke Kulturprogramm in Leipzig mit zu planen. Bei einer Musikmeditation wird der Protestant eigene Marien-Texte lesen. »Das Zentrum unseres gemeinsamen Glaubens ist das Kreuz«, sagt der Dichter und Dozent der Evangelischen Hochschule Moritzburg. »Wir schauen nur aus unterschiedlichen Richtungen darauf.«

Was Ökumene auf Katholisch heißt, zeigt der Gottesdienst am Freitagabend in der lutherischen Nikolaikirche: Landesbischof Carsten Rentzing steht dort in einer Reihe mit einem griechisch-orthodoxen Metropoliten und einem syrisch-orthodoxen Erzbischof. Ökumene auf Katholisch denkt weltweit – die deutschen theologischen Debatten werden da recht klein.

In Leipzig aber stehen sie vor der Haustür. »Sonntag für Sonntag gehen hier Protestanten zur Eucharistie und Katholiken zum Abendmahl – und umgekehrt. Dass es beim Katholikentag keine Einladung zur gemeinsamen Feier des Abendmahls gibt, ist schmerzlich«, sagt Leipzigs Superintendent Martin Henker. »Wir arbeiten und leben in der Stadt als christliche Kirchen in alltäglicher Normalität zusammen. Da tut es weh, wenn die Grenzen der Ökumene so klar gezeigt werden.«

Der Leipziger Katholikentag wird sich offen Streitthemen stellen. Dem Umgang mit konfessionsverschiedenen Paaren ebenso wie den katholisch-evangelischen Unterschieden in der Familienethik. Eine Podiumsdiskussion fragt: »Was können wir vom Reformator Luther lernen?« Auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ist eingeladen. Immerhin vollzog Luther just in Leipzig bei einer Disputation 1519 den endgültigen Bruch mit Rom und dem Papst.

»Die Frage der kirchlichen Ämter und des Papstes, die Gültigkeit der Sakramente, die Rechtfertigung allein aus Glauben – das sind Gegensätze, die man nicht überspielen darf«, sagt der Leipziger Kirchengeschichtsprofessor Klaus Fitschen. Der Protestant wird beim Katholikentag ein Podium moderieren, Thema: »Das Papstamt – Fels in der Brandung oder Stein des Anstoßes?«

In Leipzig aber will der Katholikentag bewusst den Blick nach außen richten. Und mit vielen Veranstaltungen mit Menschen ins Gespräch kommen, die nicht zur Kirche gehören. »Das halte ich für sehr wichtig«, sagt auch Superintendent Martin Henker. »Den 85 Prozent in Leipzig, denen der Glaube fremd ist, sind unsere Unterschiede vollkommen egal.«

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