Mit Kindern vertrauen

Kinder: Am 6. Dezember wird des Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kinder, gedacht. Diese müssen derzeit mit Einschränkungen und Ängsten zurechtkommen. Doch oft leben sie aus einem tiefen Urvertrauen in Gott. Darauf kommt es jetzt an – auch für Erwachsene.
Von Alexandra Grüttner-Wilke
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© Foto: Herby ( Herbert ) Me stock.adobe.com

Ich erinnere seinen Namen nicht mehr. Unvergesslich aber ist mir sein aufrechter Rücken über der Sitzfläche seines Rollstuhls, seine kindliche und überraschend starke Stimme, der Ernst seines jungen Gesichts. Elf Jahre mag der Junge gewesen sein, der mir vor einigen Jahren in einem Sonntagsgottesdienst des Seelsorgezentrums der Uniklinik Dresden begegnete. Es war sein Taufgottesdienst. Dass der Junge todkrank war, sah man ihm nicht an. Man sah, dass er in Gottes Gegenwart mitten hineingenommen war, wie in ein Zuhause. Der Junge, der nur kurze Zeit später starb, wollte getauft werden, unbedingt, das bekannten nicht nur seine Worte, sondern auch die Freude, mit der er sein buntes Taufkreuz trug, auch die gewaltige Taufkerze, die entzündet wurde, als er eintauchte in die Liebe Gottes. Die Brenndauer dieser Kerze versprach, für alle sichtbar, die Ewigkeit, die das Leben dieses Jungen an Gottes Seite dauern würde, wenn auch sein irdisches schon so früh enden musste.

Das Vertrauen des Jungen in Jesus berührt mich bis heute. Es hat eine Strahlkraft, die mich immer wieder erreicht. Gerade in diesem schweren Coronajahr 2020 denke ich oft an ihn. Ich denke an ihn, wenn ich mein Kind, nach vielen Anläufen, aussprechen höre, dass die Veränderungen seines Alltages ihm große Angst machen. Die Ferne geliebter Menschen tut ihm weh und kann auch durch digitale Medien nicht ersetzt werden. Ein unsichtbares Virus, das sogar töten kann, die beständigen Verunsicherungen im Vertrauten, in der Schule, in der Christenlehre, im Gottesdienst, wo sich immer wieder alles verändert, verstören mein Kind. Es braucht mehr denn je die Zuwendung seiner Familie und jedes noch so kleine Zipfelchen Normalität.

Im Empfinden, nicht nur der Kinder, auch der ungezählten Einsamen dieser Tage, sind wir verlassen, näheverlassen. Ohne Abschiede und Übergänge schließt sich, nun schon zum zweiten Mal in einem Jahr, ihr gewohntes Leben. Jedes Kind reagiert auf seine Weise auf die Herausforderungen dieser Zeit. Wir Eltern müssen genau hinsehen, hinhören, mit dem Herzen zu unseren Kindern hinüberlauschen, um zu erkennen, wie sie diese Zeit erleben. Die Familie ist mehr denn je der Ort, der darüber entscheidet, wie belastet oder unbeschadet die Kinder durch diese Pandemie kommen. Es kann schwer sein, Kindern den nötigen Rückhalt zu schenken, wenn man als Eltern vielleicht selber in Sorge ist.

Überdeutlich nehmen die Kinder wahr, dass wir Menschen viel und immer wieder Neues unternehmen, um Corona zu verhindern. Weniger deutlich ist ihnen, dass da vor allem Gott ist, auf den wir weiterhin aus ganzem Herzen vertrauen dürfen. Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht vergisst, mit überlaufendem Mund das innige Vertrauen des Jungen zu bekennen, der sein Leben losließ, um es in Gottes Hand zu bergen.

Wir als Christen müssen Angst nehmen, einordnen, einfrieden, ganz besonders in den Kinderseelen. Mag es eine Zeit der Ferne sein. Gott verlässt uns nicht. Er hat auch diese Zeit in der Hand, er ist auch jetzt nahe, wo alle fernrücken, er ist auch in Krankheit da und sogar im Tod. Das kann sich den Kindern mitteilen, indem wir sie am Morgen segnen, ihnen so viel Normalität wie möglich erhalten, mehr denn je eine Atmosphäre der Heiterkeit um sie breiten, wie einen wärmenden Mantel. Auch was von kirchlicher Seite, in welcher Form auch immer, stattfindet, um Geborgenheit in Christus zu bekennen, ist wichtig. Unsere Kinder brauchen unsere erlebbare Zuflucht zu Gott, um seelisch gesund zu bleiben. Der kranke und in seinem Vertrauen so kerngesunde Junge ließ sich auf Jesu Tod ins auferstandene Leben taufen. Er wusste, dass Jesu Zusage gilt, immer, zu jeder, auch zu dieser Zeit.

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