Pfarrer, wohin?

Zukunft des Pfarramts: Corona-Krise, vergrößerte Gemeindegebiete und der Wandel der Zeit machen auch ein neues Pfarrerbild nötig. Doch wie soll das aussehen?
Stefan Seidel (mit epd)
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Pandemie Berufsstand der Pfarrerinnen und Pfarrer
© Ljupco Smokovski/curto – stock.adobe.com; Montage: so

Die Pandemie hat den Berufsstand der Pfarrerinnen und Pfarrer in besonderer Weise getroffen. Da kirchliche Veranstaltungen in Präsenz nicht als »systemrelevant« eingestuft wurden, mussten Gottesdienst und Seelsorge in die digitale Sphäre ausweichen oder ausfallen, das Abendmahl vielerorts vertagt oder digital gefeiert werden. Die Pfarrerinnen und Pfarrer waren über Nacht gezwungen, neue Formen der Ausübung ihres Amtes zu suchen. Im Nachhinein hagelte es harte Kritik von Thüringens Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, die den Kirchen vorwarf, sie habe »hunderttausende Menschen, Kranke, Einsame, Alte, Sterbende« im ersten Lockdown alleine gelassen. Später präzisierte sie allerdings: »Es ging mir überhaupt nicht darum, dass einzelne Seelsorger nicht genügend getan hätten. Was mir gefehlt hat, war das öffentlich vernehmbare theologische Wort der Kirchen für eine gesellschaftliche Situation, in der viele Menschen isoliert waren.«

Auf einer Podiumsdiskussion in Gera vor einigen Wochen erneuerte sie noch einmal in moderateren Tönen diese Kritik. Das schöne Wort zu Weihnachten »Fürchtet Euch nicht!« sei ihr zu spät gekommen, sagte sie. Doch der mit ihr auf dem Podium sitzende mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer nahm seine Pfarrer in Schutz und widersprach der Kritik, die evangelische Kirche sei in der Corona-Krise »abgetaucht«. Die Pfarrerinnen und Pfarrer hätten vielmehr »auf Spaziergängen und über den Gartenzaun« in Seelsorge und Verkündigung für »großes Kino« gesorgt.

Allerdings ist die akute Pandemie-Krise des Pfarramtes und seiner Ausübungsformen nur die Spitze des Eisberges einer grundsätzlicheren Krise. Die Frage ist: Wie soll der Pfarrer der Zukunft aussehen, wenn die Kirche bis 2060 voraussichtlich die Hälfte ihrer Mitglieder und bereits bis 2030 rund ein Drittel ihrer Geldeinnahmen verliert? Das klassische Ortspfarramt ist bereits jetzt nur noch an wenigen Orten Realität. Kirchgemeindebezirke werden immer größer, die Wege für die Geistlichen immer länger. Nicht zuletzt steht der Status und die Finanzierung der Pfarrer auf dem Prüfstand. »Ich glaube, dass die Zukunft nicht in verbeamteten Pfarrerinnen und Pfarrern liegt«, sagte im Juli der Vorsitzende des Haushaltsausschusses der EKD-Synode, Christian Weyer. Denn einige Landeskirchen wüssten schon heute nicht mehr, wie sie die Pensionszahlungen für beamtete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Dauer leisten können.

Doch was ist der inhaltliche Auftrag des Pfarrers und der Pfarrerin? Die niedersächsische Pfarrerin Hanna Jacobs schrieb vergangene Woche in der Wochenzeitung »Die Zeit«, dass von den Pfarrern heute mehr und mehr Managementkompetenz erwartet werde. Viele Gemeinden funktionierten heute ähnlich wie ein kleines Unternehmen, schreibt sie. Für die Verkündigung des Evangeliums bleibe den Pfarrern ihrer Einschätzung nach nur 20 Prozent der Zeit pro Woche.

In der sächsischen Landeskirche sieht man dieses Problem. »Spätestens mit der Integration in das Rechtssystem der BRD erfolgte ein großer Zuwachs an hoheitlichen Aufgaben«, schreiben die Oberlandeskirchenräte Margrit Klatte und Klaus Schurig in dem Beitrag »Auf dem Weg ins Team – ein orientierender Impuls« (2019). Dies habe dazu geführt, »dass Pfarrer wie noch nie Verwaltungsaufgaben in hohem Umfang und mit großer Gewissenhaftigkeit für die Kirchgemeinde wahrnehmen.« Doch eigentlich sei für das Pfarramt die Seelsorge und die Verkündigung zentral – nicht Haushalt, Kirchgemeindeverwaltung, Friedhof, Wald und Grundstücke, betonen Klatte und Schurig. Deshalb ist man bestrebt, die Verwaltung stärker vom Pfarrdienst zu trennen und an andere Stellen zu delegieren. Der Pfarrer der Zukunft sollte in größeren Teams mit geteilten Aufgabenbereichen arbeiten. Die Frage »Pfarrer, wohin?« dürfte damit aber wohl nur zum Teil beantwortet sein. 

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Impressionen Lausitz-Kirchentag


  • Görlitz begrüßt an diesem Wochenende zum »Lausitz-Kirchentag« © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Mit viel Musik und zahlreichen Angeboten wurde gefeiert © Steffen Giersch


  • Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte zu diesem Anlass Görlitz © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Strahlender Sonnenschein und Hitze beim Lausitz-Kirchentag, die Stimmung blieb oben auf © Steffen Giersch


  • Gestaltet wurde der Lausitz-Kirchentag von der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) und der Landeskirche für Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz (EKBO) © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Musik gehörte natürlich dazu, beim Gottesdienst und zahlreichen kleinen Teilveranstaltungen © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Auch diakonische Einrichtungen, wie hier die Bahnhofsmission, informierten © Steffen Giersch


  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte Stände © Steffen Giersch


  • Und Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Familie in Sorbischer Tracht – jede Stadt hat ihre eigene Tracht, die leicht voneinander variiert © Steffen Giersch




  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil – ein wichtiges Thema in der Region: Der Braunkohleausstieg © Steffen Giersch


  • Auch Bettina Westfeld nahm an der Diskussionsrunde zum Braunkohleausstieg teil © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Christen an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch

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