Frühling der Chöre

Chorfest: Nach der langen Zwangspause für Chöre soll beim Deutschen Chorfest in Leipzig wieder aus vollen Herzen und Kehlen gesungen werden. Wie steht es um die Chormusik in der Kirche?
Von Stefan Seidel
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© epd-bild/Uli Deck

Chorgesang statt Corona: Wenn vom 26. bis 29. Mai in Leipzig endlich das Deutsche Chorfest gefeiert werden kann, ist das wie ein großes gemeinschaftliches Aufatmen. Bei dem ursprünglich vor 2020 geplanten und wegen der Pandemie verschobenen Chorfest kommen rund 350 Chöre aus ganz Deutschland zusammen und bringen mit über 500 Konzerten Leipzig zum Klingen – auch in zahlreichen Kirchen und im Rahmen musikalischer Gottesdienste. Es soll eine große Vielfalt der Chormusik zu erleben sein, kündigte der Deutsche Chorverband an, der das Fest veranstaltet. Eine besondere Aktion findet unter dem Motto »Chorfest für alle« statt, bei der Chorfest-Ensembles ihre Klänge in soziale Einrichtungen wie Seniorenbegegnungsstätten, Altenpflegeheime und Hospize tragen. Insgesamt sind rund 500 Konzerte auf 27 Bühnen und in über einem Dutzend Kirchen geplant. Der zentrale Punkt des Festivals wird die Open-Air-Bühne auf dem Markt sein. Hier wird es auch zahlreiche kostenfreie Mitsing-Aktionen geben, wie am 27. Mai, 14 Uhr unter dem Motto »ZusammenSingenWirStärker« oder am 28. Mai, 22 Uhr beim großen Abendausklang zum Mitsingen. Eröffnet wird das Festival vom Leipziger Thomanerchor, »amarcordplus« und »Slixs«.

Obwohl allgemein das individuelle und gemeinsame Singen in den letzten 50 Jahren zurückgegangen ist und das Singen aus dem Alltag verdrängt wurde, gehören die Chöre weiterhin zahlenmäßig zur größten Gruppe der Musizierenden in Deutschland, schreibt der Theologe und Kirchenmusikexperte Peter Bubmann im Buch »Davon ich singen und sagen will«. Und innerhalb des Chorbereiches sind wiederum die Kirchen eine wesentliche Säule: Über die Hälfte der über 50 000 Chöre Deutschlands sind Kirchenchöre. Dennoch steht das kirchliche Singen vor Herausforderungen. Während das traditionelle Kirchenlied weithin »ins Ghetto des kerngemeindlichen Sonntagsgottesdienstes eingeschlossen« sei, werde in evangelischen Kindergärten, Schulen und bei Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten vor allem das »Neue Geistliche Lied« bevorzugt und in den christlichen Jugendszenen die Lobpreismusik, diagnostiziert Bubmann. Weiterhin stünden Pop-orientierte Kindermusik und aktuelle jugendkulturelle Stile wie HipHop hoch im Kurs, die von jungen christlichen Bands und Liedermachern aufgegriffen werden, so Bubmann. Und die beliebte Gospelchormusik werde vor allem von der mittleren Generation der höher Gebildeten gepflegt. Aufgrund dieser auseinanderstrebenden Kirchenmusikformen bemüht sich die evangelische Kirche einerseits um eine Integration der Stile, etwa in vielfältigen Gesangbüchern, und andererseits um die Festlegung einer Kernliedliste des Protestantismus, erläutert Peter Bubmann, der die Lage so zusammenfasst: »Im Singen aus verschiedenen Traditionen verbindet sich, was als Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes immer schon zusammengehört. Die gegenseitigen ästhetischen Zumutungen der verschiedenen Traditionen sind als Herausforderungen religiöser Bildung anzunehmen.« Ähnlich hatte es kürzlich Landesbischof Tobias Bilz auf einem Lobpreis-Thementag der Evangelischen Jugend Sachsens formuliert: »Haltet euch nicht zu sehr damit auf, die klassische Kirchenmusik zum modernen Lobpreis in ein Verhältnis zu setzen. Beides hat seine Bedeutung und sein Gewicht. Manchmal ist es eine Geschmacksfrage oder eine Frage der Prägungen. Alle Not kommt vom Vergleichen – das hilft hier nicht.«

Dass Singen auch Gebet ist, zeigt ein aktuelles Angebot der Arbeitsstelle Kirchenmusik der Landeskirche, die auf ihrer Internetseite verschiedene Friedenslieder und -andachten für Chöre und Gemeinden zusammengestellt hat. Dazu zählen das Lied »Krieg und Streit unter den Völkern« von Gisela Kandler und der Kanon »Suche Frieden und jage ihm nach« von Jugendkantor Andreas Kassel. Außerdem eine Chor-Meditation des Chorals »Verleih uns Frieden gnädiglich« von Kirchenmusikdirektor Ulrich Meier.

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